Veröffentlicht in Israel, Wege

Israel Große Tour September 2021

1. Tag Northern Galilee

Ok, alles war gepackt und auf dem Bike verstaut, es konnte also losgehen. Etwa 1200km lagen vor mir, zuerst in den Norden Israels, von dort über die Golanhöhen Richtung Süden, über’s Tote Meer in den Norden der Negev Wüste und von dort ganz in den Süden nach Eilat.

Also auf geht’s, erstmal raus aus dem Tel Aviver Ballungszentrum über die Autobahn, Richtung Carmel Wälder auf der Höhe von Haifa und von dort weiter Richtung Norden bis an die libanesische Grenze. Unterwegs noch eine kleine Pause für eine kleine Erfrischung und dann der erste Stop: Montfort Lookout in Goren

Von hier hat man einen herrlichen Blick auf Montfort.
Montfort (hebräisch מבצר מוֹנפוֹר Mivtzar Monfor, deutsch ‚Festung Montfort‘) ist eine ehemalige Kreuzfahrerburg, die an den Ufern des Baches Keziv in Galiläa im Norden Israels liegt. Der arabische Name der Burg lautet „Qal’at Qurein“, was übersetzt „Burg des kleinen Horns“ bedeutet und wohl auf die spitzen Felsgipfel an der Bergseite hinter der Anlage zurückzuführen ist.

Insgesamt ist die Burganlage recht gut erhalten. Im Mittelalter befand sich in der Nähe keine größere Siedlung, deren Bewohner das Baumaterial der verlassenen Burg wiederverwerten konnten. Von den Wirtschaftsgebäuden zur Talseite lassen sich noch die Grundmauern erkennen. Auch Gewölbeansätze sind in manchen Räumen an den Wänden erhalten.
Die etwa 125 Meter lange Kernburg liegt auf dem Kamm eines, nach Westen abfallenden Bergvorsprunges auf rund 280 Meter Meereshöhe. Im Osten schützen zwei parallele Halsgräben die Veste. Der schmalere Vorgraben ist ungefähr 8 bis 10 Meter breit, der Hauptgraben bis zu 20 Meter. Die Tiefe des Innengrabens beträgt etwa 11 Meter. Beide Gräben wurden in den anstehenden Kalkstein geschlagen. Das dabei gewonnene Steinmaterial wurde zum Burgausbau verwendet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Montfort_(Israel)

Nach Montfort geht es weiter Richtung Beit Hillel, wo mein Campingplatz ist. Ein wunderschöner Fleck, direkt am Hazbani Stream, einem kleinen wilden Bach, der ganzjährig Wasser hat aus den Golanhöhen, schön kalt und erfrischend


2. Tag Golan Hights

Heute werde ich die Golanhöhen durchqueren und zwar auf einer ganz besonderen Route, die sogenannte „Petroleum Road“, über Tel Facher bis nach Tel Saki.

Tel Faher (oder Golani Lookout) ist ein ehemaliger syrischer Außenposten auf den Golanhöhen, der seit dem Sechstagekrieg 1967 von Israel besetzt ist.
Tel Faher war der Schauplatz einer intensiven Schlacht zwischen den israelischen Streitkräften und den Syrern, die mit der Eroberung des Außenpostens durch die Golani-Brigade endete. Tel Faher ist heute ein Park zum Gedenken an die Gefallenen der Schlacht.



Die Petroleum Road oder Tapline Road (hebräisch: הכיש הנפט, Kvish HaNeft) ist eine in Privatbesitz befindliche Nord-Süd-Asphaltstraße in den Golanhöhen. Sie ist 47 km lang. Sie beginnt in der Nähe des Berges Peres am östlichen Rand des zentralen Golan und endet im Norden des Golan in der Nähe der von Israel besetzten Grenze zwischen Golan und Libanon, in der Nähe von Ghajar.

Der größte Teil der Straße ist auf Karten aufgrund der schlechten Straßenqualität als für den Verkehr nicht zugänglich markiert.

Der Name Petroleum Road leitet sich von der inzwischen stillgelegten Ölpipeline der Trans-Arabian Pipeline Company ab, an der die Straße vorbeiführt. Die Tapline, wie sie abgekürzt wird, entstand in den Ölfeldern Saudi-Arabiens, führte dann durch Jordanien und Syrien bis zu ihrem Ölexportterminal in Sidon an der Küste des Libanon. Obwohl Israel nach dem Sechstagekrieg 1967 den Abschnitt der Tapline durch den Golan kontrollierte, erlaubte es seinen Betrieb fortzusetzen. Obwohl es bei seiner Fertigstellung im Jahr 1950 das größte Pipelinesystem der Welt war, hatte die Tapline bis 1990 jeglichen Betrieb eingestellt. Der Abschnitt der Golanhöhen stellte 1976 den Transport von Erdöl ein.

Da die Straße den nördlichen Teil der Golanhöhen diagonal halbiert, war sie während des Jom-Kippur-Krieges 1973 Schauplatz vieler Schlachten entlang ihrer Achse.

Tel Saki (Tel a-saaki تل الساقي) ist ein kleiner Vulkanhügel in den südlichen Golanhöhen.

Am Nachmittag von Jom Kippur, dem 6. Oktober 1973, wurde eine Beobachtungsgruppe des 50. Fallschirmjägerbataillons „Nahal“, 35. Brigade nach Tel Saki geschickt. Die Rolle der Truppe bestand darin, nach Osten zu schauen und zu versuchen, syrisches Artilleriefeuer zu lokalisieren, falls ein „Kampftag“ beginnt. Als der Krieg um 14:00 Uhr begann, landete schweres syrisches Artilleriefeuer auf dem Hügel.

In den Kämpfen um Tel Saki und Umgebung fielen 32 Kämpfer des 50. Bataillons der 35. Brigade, des 82. Bataillons der 7. Brigade und des 74. Bataillons der 188. Brigade.

Nach dem Jom-Kippur-Krieg wurde der ursprüngliche Bunker abgerissen und auf dem Hügel ein Außenposten errichtet, der im Notfall erobert werden sollte. Um den Hügel wurden Drahtzäune errichtet und Minenfelder angelegt. Tel Saki und der Posten auf seinem Gipfel sind zum Gedenken an die Schlacht von Tel Saki geworden. Im Inneren des Kriegerbunkers wurde auf dem Hügel und seiner Umgebung eine Gedenkecke für die im Krieg gefallenen Krieger errichtet. Die Gedenkstätte verfügt über einen Gedenkraum für die Gefallenen sowie einen Film, der die Geschichte des Ortes erzählt.

Nach Tel Saki ging es weiter südliche Richtung bis nach „Harod’s Well“ in der Yisrael Ebene, wo ich zum zweiten Mal mein Zelt aufschlagen werde.
Ma’ayan Harod (hebräisch: מעיין חרוד‎, wörtlich:  ’die Quelle von Harod‘) oder Ayn Jalut (arabisch: عين جالوت‎ ‚ayn Jālūt, wörtl. „die Quelle von Goliath“, früher auch عين جالود ‚ayn Jālūd und גילות auf Hebräisch) ist eine Quelle an der südlichen Grenze der Yisrael-Ebene und Schauplatz der berühmten Schlacht von Ain Jalut aus dem 13. Jahrhundert, die als wichtiger Wendepunkt in der Weltgeschichte gilt.

3. Tag Totes Meer und nördlicher Negev

War das eine Nacht!
Der Campingplatz war rappelvoll mit Familien und haufenweise Kindern, die einen Mords-Spaß hatten, grillen war angesagt bis tief in die Nacht, laut war’s, ich hab kaum geschlafen und wollte nur noch weg von hier…
Also früh einen Kaffee und auf geht’s. Wieder alles auf’s Bike gepackt und ab Richtung Süden.
Ein erster Stop bei „Agalula“ zum Frühstück

Nächste Station: Ein Gedi Camp Lodge. Das sind etwa 250km und ein völliger Klimawechsel. Von dem grünen Norden ab in die Wüste.
Dort erstmal ne Zeit lang relaxen. Ein perfekter Ort dafür! Bei lässigen 38 Grad im September kommt eine kalte Limonade immer gut.

Danach geht es weiter nach Mamshit in der Nähe von Dimona in der Negev Wüste.
Im Gegensatz zu dem vollen Campingplatz von gestern, hier jetzt das genaue Gegenteil. Ich war der einzige Gast hier und außer mir nur ein Arbeiter des Campingplatzes da.
Echt gespenstig.
Mitten in der Nacht dann Geräusche… als ich aus dem Zelt blickte steht da ein riesiges Stachelschwein der Sorte Hystrix indica und schaut mich an. Als ich meine Taschenlampe angemacht habe lief es dann sofort weg.
Ich war so müde, bin gleich wieder eingeschlafen, in der Hoffnung, das Schwein kommt nicht mehr zurück 😉

4. – 8. Tag Eilat

Wieder dasselbe Ritual am Morgen: Kaffee und dann wieder alles zusammenpacken und auf’s Bike laden und auf geht’s nach Eilat

Von Mamshit fahre ich den Scorpion’s Ascent runter in die Arava Ebene und dann weiter nach Eilat am Roten Meer.
Hier könnt ihr einen Fahrtbericht vom Scorpion’s Ascent lesen, den ich schon ein paar Mal gefahren bin…

In Eilat angekommen, ging es dann direkt zum Strand. Das Meer hier ist einfach wunderbar, glasklar, voll mit Fischen aller Sorten und der Blick auf die Berge auf der jordanischen Seite sind immer wieder atemberaubend.

Nach zwei Tagen sind dann meine Kumpels Erez, Boaz, Ran und Tomer auch hergekommenund wir habe noch 2 weitere Tage entspannt in Eilat genossen.

Die Heimfahrt war dann unspektakulär, zurück über Mizpe Ramon.
Ich freue mich schon auf’s nächste Mal!


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Durch den Norden Israels 2019

Eine Fahrt über zweieinhalb Tage

— BMW R1200R


Meine Fahrt ging am Donnerstag Nachmittag los. Morgens war ich noch im Büro. Es war das zweite Sukkot Wochenende, das Ende des „Laubhüttenfestes“, das dieses Jahr so günstig fiel, daß man es mit dem Wochenende davor verbinden konnte und so 4 Tage frei hatte.
Hannah war mit ihrer Tochter nach Wien gereist, den Opa besuchen, und so hatte ich die ganzen vier Tage frei für eine schöne Tour durch den Norden Israels

Ich hatte alles gepackt und war bereit aufzubrechen. Mein erster Stop wird Achziv an der Mittelmeerküste, nördlich von Nahariya, etwa 10km von der libanesischen Grenze entfernt.
Von Tel Aviv bis dort hin sind es etwa 150km, ich sollte also vor Einbruch der Dunkelheit dort sein und mein Zelt noch vor der Abenddämmerung aufschlagen können. Am nächsten Morgen würde ich dann weiterfahren.

Die Fahrt ist einfach und direkt, an der Küste entlang. Vor Haifa hat man während der Fahrt einen wunderbaren Blick auf’s Meer. Danach geht es an Akko vorbei, der jahrtausendealten Hafenstadt mit ihrer erhaltenen Zitadelle aus dem 12. Jahrhundert.

Dann Achziv Campingplatz.
Ich schlage mein Zelt auf und geniesse den Sonnenuntergang mit ein paar Tassen Tee…
Bei dem Blick auf’s Meer lasse ich die Seele baumeln und genieße die Abendluft im Oktober. Es ist noch immer sehr warm, etwa 28 Grad, aber ein angenehmer leichter Herbstwind weht.

Am nächsten Morgen packe ich wieder zusammen und mache mich auf zur nächsten Station: Rosh Hanikra unmittelbar an der libanesischen Grenze. Hier gibt es die wunderschönen Grottenhöhlen, die man mit einer Seilbahn besuchen kann. Ich genieße diesmal nur kurz den Ausblick auf’s Meer. Die Straße ist eine Sackgasse, es gibt keinen Übergang zum Libanon und ich denke mir, wie schade das eigentlich ist. Von hier ist es näher nach Beirut als nach Tel Aviv.

Nun geht es weiter Richtung Osten, weg vom Mittelmeer, der westlichen Grenze Israels, and der Grenze zum Libanon entlang, bis in den nordöstlichen Teil, den Golanhöhen an der Grenze zu Syrien.
Der Weg führt Richtung Kiryat Schmona, an Shlomi vorbei und Goren, auf der Straße 899 bis zur 90, der längsten Straße Israels, die von Metula, der nördlichsten Stadt bis runter nach Eilat am Roten Meer führt.
Der Weg ist wunderschön, die 899 ist herrlich zu fahren mit vielen Kurven zum reinlegen. Alles hier ist sehr grün, viel Wald, üppige Vegetation und es erinnert ein wenig an europäische Bergstraßen. Nach einem kurzen Stück auf der 90 geht es nach rechts Richtung Goren. Der Weg ist kilometerlang gesäumt von Eukalyptusbäumen.
Die goggles auf den Helm nach oben geschoben, kein Visier, riecht es jetzt stark nach den ätherischen Ölen der Bäume. Der erste Regen seit Anfang Mai ist letzte Woche gefallen und die herbstliche Wärme läßt die Gerüche aufsteigen.

Die Landschaft verändert sich jetzt zunehmend. Die Erde wird vulkanisch, sehr dunkel bis schwarz. Aber auch die Absperrungen rechts und links der Straße fallen jetzt auf. „Betreten verboten – Lebensgefahr. Mienen und Blindgänger“. Es sind die traurigen Überbleibsel aus vergangenen Kriegen.
Ich fahre jetzt immer höher hinauf, bin jetzt auf fast tausend Höhenmetern und meiner nächsten Station nahe: Mount Bental.

Mount Bental ist ein erloschener Vulkan und genau über ihn verläuft die (gegenwärtig umstrittene) Grenze zwischen Israel und Syrien. Auf dem Berg ist eine alte Militärbefestigung, die man besichtigen kann, mit einem Bunker und Schießanlagen aus dem Yom Kippur Krieg. Man hat einen weiten Blick auf Syrien und die Umgebung bis zum Mount Hermon.
Dazu gibt es Kaffee und Snacks im Restaurant „Kofi Annan“(das etwas an eine Skihütte in den Alpen erinnert, mit der weiten Terrasse) auf 1171 Metern Höhe.

Der Name des Restaurants ist ein Wortspiel. Einerseits ist es der Name des ehemaligen UN Generalsekretärs, andererseits heist es soviel wie Kaffee in den Wolken (Anan ist das hebräischeWort für Wolke).

Frisch gestärkt geht es jetzt weiter Richtung Süden, entlang der Grenze auf der Straße 95.
Nach einer Weile kommt man an den Windturbinen von Alonei Habashan vorbei.
Die Turbinen wurden Anfang der 90er Jahre gebaut und versorgen rund 20000 Menschen, sind allerdings in einem schlechten Zustand.
Vielleicht aber gerade deshalb passen sie hier in die Gegend. Alles wirkt etwas surreal, morbide, was natürlich nicht unbedingt überrascht, wenn man die Geschichte dieser Gegend betrachtet.

Auch weiterhin fallen einem auf der Fahrt die vielen Bunkerruinen auf. Vereinzelt stehen alte kaputte Panzer in der Gegend. Als Erinnerung, als Mahnmahl, wirken sie ein wenig, als hätte man sie hier vergessen, ist es jedoch genau das, das sie verhindern sollen: Das Vergessen.
Nach einigen Kilometern ragt dann auf einmal ein Hügel heraus, an dessen Seite eine riesige israelische Fahne an einen riesigen Mast gehisst ist. Der Ort: Tel Saki

Am 6. Oktober 1973, Yom Kippur, griff die syrische Artillerie mit voller Wucht an. In einem Verhältnis von 1 zu 100 verteidigte eine kleine israelische Einheit die Stellung bis zum Ende. 35 Soldaten kamen nicht zurück, alle anderen waren entweder verwundet oder wurden gefangengenommen. Es war eine der ersten und heftigsten Schlachten des Yom Kippur Krieges und ist heute ein Beispiel für israelische Tapferkeit.
Solche Ereignisse sind tief im Bewusstsein der Menschen hier verankert. Das ganze erklären zu wollen würde hier natürlich völlig den Rahmen sprengen.

Weiter geht es jetzt die 98 runter Richtung See Genezeret, eine traumhafte Fahrt mit dem Motorrad. Am Ende der Hochstraße geht es in Serpentinen runter an den See, rundherum die atemberaubende Landschaft der Golanhöhen. An der südlichen Spitze des See Genzeret, dort wo der Jordan aus dem See ausläuft, liegt das Yardenit, eine Taufstelle am Fluss, seit frühster Zeit für Christen ein heiliger Ort.

An der für den Tourismus erschlossenen Taufstelle lassen sich viele Christen in Erinnerung an die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer taufen, obwohl die Überlieferung den Ort dieses Ereignisses weiter flussabwärts nahe Jericho lokalisiert, im jordanischen Al-Maghtas.

Nach einer nächsten Übernachtung auf dem Campingplatz von „Herod’s Well“ fahre ich am nächsten Morgen wieder nach Hause und komme genau rechtzeitig, um Hannah und die Kleine vom Flughafen abzuholen.
Eine sehr beeindruckende Fahrt liegt hinter mir. Die Weite der Landschaften läßt vergessen, wie klein Israel eigentlich ist.